05:30 ★ MODERSOHNBRÜCKE · S OSTKREUZ
Erstes Licht
Letzte Station. Gleise, Geländer, Himmel. Noch ist es dunkel, aber nicht mehr lange. Bleib stehen. Das hier hast du dir verdient.
Zurück zum Ring
Heimweg
Egal, wo die Nacht dich abgesetzt hat: zurück auf den Ring. S41 oder S42, Fensterplatz egal, Augen zu erlaubt. Aussteigen Ostkreuz – genau da, wo du um 06:30 eingestiegen bist. Ausgang Sonntagstraße, dann nach Westen, den Gleisen nach: fünf Minuten zu Fuß, mit Nachtbeinen zehn. Dann hast du das Geländer unter den Händen und das Gleisfeld unter den Füßen.
Wenn der Bäcker im Bahnhof schon offen hat: Schrippe, nichts drauf. Wenn nicht: Kaffee aus dem Späti-Automaten, der ist um diese Zeit ehrlicher. Schlüssel suchen kannst du auch oben auf der Brücke, dafür ist Zeit. Denn ehrlich: Um 05:30 ist im Oktober noch Nacht. Anfang des Monats geht die Sonne gegen 7:10 Uhr auf, bis zur Zeitumstellung am 25. Oktober rutscht sie auf fast 7:50, danach steht sie wieder gegen 7:00 über den Gleisen. Das erste Grau kommt gut eine Stunde vor der Sonne, die Farbe eine halbe. Du stehst also mindestens anderthalb Stunden am Geländer – das ist kein Fehler im Fahrplan, das ist der Plan.
Modersohnbrücke · 10245 Berlin · immer offen · Eintritt 0 € · Stand Oktober 2026
Sonnenaufgang Anfang Oktober ≈ 7:10 Uhr · 24.10. ≈ 7:50 Uhr · ab 25.10. ≈ 7:00 Uhr · Dämmerung gut 30 Min. davor
Sonnenaufgang Berlin, Oktober 2026: 1.10. 7:07 Uhr · 15.10. 7:32 Uhr · 24.10. 7:48 Uhr · ab 25.10. (Zeitumstellung) 6:50 Uhr · 31.10. 7:01 Uhr. Bürgerliche Dämmerung jeweils gut 30 Minuten davor. Quelle: sunrise-and-sunset.com, gerundet.
Die einzige Seite in Farbe
Jetzt in Farbe.
Vierzehn Seiten Schwarzweiß mit Gelb und Magenta, und dann das: Himmel, der wirklich so aussieht. Acht Mal erstes Licht über Gleisen, Dächern, Platte und Bahnsteig. Antippen für groß.








Erstes Licht, acht Mal, Originalfarben ohne Duplex. Ja, auf den letzten drei steht hinten der Turm. Der war zuerst da, der zählt nicht. Fotos in dieser Reihenfolge: Adam Tamasi, dennis von westburg, Charles Forerunner, Nathan Dumlao, Tobias Kalinke, Tommy Krombacher, Sebastian Herrmann, Reiseuhu / Unsplash. Hintergrund-Zeitraffer oben: Mixkit.
Drück Play
Die Stadt macht die Augen auf
Field Recording: qubodup / freesound.org (CC0), 40 Sekunden gekürzt
24 Stunden
Bilanz
Was bleibt. Ein Fahrschein AB, zerknittert. Pfeffi im Nachgeschmack. Sand vom Feld in den Schuhen, Toner an den Fingern von diesem Heft. Eine Handynummer, die du nicht anrufen wirst. Und ein Kiez mehr, den du jetzt mit Namen kennst statt mit Hashtag.
Die Pfandflasche. Steht noch neben dem Papierkorb am Herrfurthplatz, falls sie nicht längst jemand geholt hat. Acht Cent. Das ist die Wirtschaftsordnung dieser Stadt in Glas: Was du nicht brauchst, braucht jemand anders, und keiner macht ein Drama draus.
Die S-Bahn fährt wieder. Unter dir rollen die ersten Züge Richtung Ostkreuz, Frühschicht trifft Nachtschicht, Schrippentüten gegen Pfefferminz. Am Wochenende hat sie gar nicht aufgehört, Freitag- und Samstagnacht fahren S- und U-Bahn durch (BVG und S-Bahn Berlin). Werktags hast du die Nachtbusse genommen. Jetzt ist das egal: Die Stadt schaltet auf Tag, ohne dich zu fragen.
Der Ring hat keinen Anfang. Du bist um 06:30 am Ostkreuz eingestiegen und stehst um 05:30 wieder über den Gleisen. 24 Stunden, 13 Stationen, null Postkarten, eine Tür, die zu blieb. Die S41 unter dir fährt gleich dieselbe Runde noch mal. Du kannst mit. Oder du gehst schlafen. Beides ist Berlin.
Nachwort. Kein Tor, kein Turm, nur Stadt – und wenn der Turm oben doch hinten ins Bild ragt: Wir haben ihn nicht eingeladen. Du hast die Stadt trotzdem gesehen. Mehr wollten wir nicht.

„Berlin hat keine Sehenswürdigkeiten. Berlin ist eine.“
Zum Runterkommen
Lieder über Berlin
465 Songs über diese Stadt in einer Playlist von Arne – Ton Steine Scherben, Indie, Rap, alles mit Berlin-Bezug. Für den Weg nach Hause oder die Stunde am Geländer. Lädt erst nach deinem Klick (Cookie-Hinweis).
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Keine Gesichter von Fremden, keine Hausnummern von Leuten, die hier wohnen. Gleise, Himmel, Geländer: alles erlaubt.
Dieselbe Brücke, anderes Ende vom Tag

Abendlicht statt Morgen: Blick nach Westen von der Modersohnbrücke, dasselbe Geländer am Abend davor, Lichtspur einer S-Bahn. Foto: Carlos Leret / Unsplash, Originalfarben.
Hinkommen
Modersohnbrücke
Modersohnbrücke, Friedrichshain, 10245 Berlin – die Straßenbrücke zwischen Modersohnstraße und Markgrafendamm über das Gleisfeld vor Ostkreuz. Immer offen, kostet nichts, das Geländer gehört allen. Von S Ostkreuz (Ausgang Sonntagstraße) fünf bis zehn Minuten zu Fuß nach Westen; von S Warschauer Straße ist es ein gutes Stück weiter – die Navi-Buttons rechnen dir die ÖPNV-Route. Abends steht hier das Sonnenuntergangs-Publikum mit Bier, um 05:30 bist du allein mit den Zügen.
Stand Oktober 2026: Sonnenaufgang Anfang Oktober gegen 7:10 Uhr, Mitte Oktober gegen halb acht, am 24. Oktober um 7:48 Uhr; ab der Zeitumstellung am 25. Oktober wieder gegen 7:00 Uhr. Die bürgerliche Dämmerung beginnt jeweils gut 30 Minuten davor, Anfang Oktober also ab etwa 6:35 Uhr. Kaffee vorher kaufen – auf der Brücke gibt es nichts, und der Bäcker im Bahnhof hat um diese Zeit vielleicht noch zu. Preise bitte vor Ort prüfen, auch die vom Kaffee.
Modersohnbrücke · Friedrichshain
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