12:00 ★ TEUFELSBERG · 120 M Ü. NN · S7 GRUNEWALD

Abhörstation

Kuppeln
01 · Radome

Fünf Bälle aus Plane und Stahl

Die Kuppeln hießen Radome: Hüllen über Antennen, damit keiner sieht, in welche Richtung gelauscht wird. Heute sind die Planen zerfetzt, der Wind geht durch – und dein Blick auch.

Wind
02 · Echo

Flüstern reicht

In der großen Kuppel kommt jedes Wort mehrfach zurück. Schrei nicht, das machen alle. Flüster. Dann hörst du, warum hier oben nie jemand ein Geheimnis behalten hat.

Wand
03 · Galerie

Jede Fläche ist vergeben

Treppenhäuser, Flure, Decken: besprüht bis unter die Kante. Die Wände wechseln. Was du heute siehst, ist nächsten Monat übermalt. Fotografier es oder lass es.

Trümmer
04 · Untergrund

26 Millionen Kubikmeter Stadt

Unter dir liegt das zerbombte Berlin: Schutt, von 1950 bis 1972 hier aufgekippt, auf den Resten einer Nazi-Fakultät, die nie fertig wurde. Der Berg ist kein Berg. Er ist ein Deckel.

Aussicht
05 · 120 m ü. NN

Havel, Kiefern, keine Postkarte

Nach Westen Wald bis zum Wasser, nach Osten die Stadt als graue Linie. Kein Wahrzeichen im Bild, wenn du richtig stehst. Genau so soll es sein. Jacke zu, es zieht.

Du steigst in Grunewald aus, läufst eine halbe Stunde bergauf durch Kiefern, und oben steht, was vom Kalten Krieg übrig ist: fünf zerfetzte Kuppeln auf 26 Millionen Kubikmetern Schutt. Kein Museum, kein Café mit Aussicht. Eine Ruine mit Kasse, 12 Euro, und dann bist du allein mit dem Wind.

Oktober, kurz nach elf: Nebel zwischen den Kuppeln, bis der Wind ihn wegschiebt. Video: Mixkit.

Was du wissen musst

Zettel für die Jackentasche

Adresse
Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin (Grunewald)

Offen
Oktober täglich 11–19 Uhr, letzter Einlass 18 Uhr. November und Dezember 11–16:30 Uhr. Stand Oktober 2026, Quelle teufelsberg-berlin.de.

Eintritt
12 € Erwachsene, 10 € ermäßigt, 5 € bis 17 Jahre. Preise bitte vor Ort oder online prüfen.

Anfahrt
S7 bis Grunewald, dann rund 30 Minuten zu Fuß bergauf. Direkt bis zum Tor fährt kein Bus.

Mitbringen: Wasser, feste Schuhe, Jacke. Zu Hause lassen: Drohne, Spraydose.

Geschichte, ohne Agentenfilm

Erst Schutt. Dann Ohren. Jetzt Farbe.

1937 fängt es an, und zwar nicht mit einem Berg. Am Rand des Grunewalds wird die Wehrtechnische Fakultät hochgezogen, ein Klotz für die Rüstungsforschung der Nazis, Teil ihrer Größenwahn-Pläne für die Hauptstadt. Der Rohbau steht, als der Krieg kommt. Fertig wird er nie.

Nach 1945 ist Berlin eine Stadt aus Schutt, und der Schutt muss irgendwohin. Sprengen lässt sich der Betonriese kaum, also kippt man die Trümmer einfach drauf. Von 1950 bis 1972 rollen die Lastwagen: 26 Millionen Kubikmeter zerbombte Stadt, Ziegel, Putz, Küchenfliesen, Türrahmen. Am Ende misst der Haufen 120,1 Meter über dem Meer, nachgemessen 2013 von der TU Berlin. Die höchste Erhebung im alten West-Berlin ist kein Berg. Sie ist ein Friedhof für Häuser.

Dann kommen die Amerikaner mit Antennen. Oben weht der Wind frei, der Blick geht weit nach Osten, und genau das braucht eine Abhöranlage in einer geteilten Stadt. Anfang der Sechziger wird gebaut, die Field Station Berlin wächst zu Türmen, Kuppeln, Kantinen und Kabelschächten. Was hier gehört wurde, steht in keinem Prospekt, und wer es dir erzählt, war nicht dabei. 1991 ist Schluss, die letzten Techniker ziehen ab. Die Geräte gehen mit, die Hüllen bleiben.

Was folgt, ist Berlin in Reinform: Investoren mit Lofts im Kopf, Baustopp, Zäune, Löcher in den Zäunen. Wer reinkam, brachte Dosen mit. Aus dem leeren Gelände wurde, Etage für Etage, eine Galerie ohne Kurator. Inzwischen steht das Ganze unter Denkmalschutz, der Betreiber kassiert Eintritt, nennt es die größte Street-Art-Galerie Europas und bietet Führungen an. Du kannst das Kommerz nennen. Oder du gehst hoch und schaust dir an, wie diese Stadt mit ihren Ruinen umgeht: nicht abreißen. Bemalen.

Wände und Kuppeln

Acht Blicke. Stand Sommer. Morgen anders.

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Fotos: Palle Knudsen, Louis Le Pessot, Renzo Vanden Bussche, Gero Camp, Samuel Svec / Unsplash, Duplex. Kuppeln und Wände im Wechsel; Künstler:innen der Murals: unbekannt, die Flächen wechseln.

Drei Zahlen
0,0
Meter über NN

Nachmessung TU Berlin, 2013

0
Mio. m³ Schutt

aufgeschüttet 1950 bis 1972

0 €
Euro Eintritt

Erwachsene, Stand Oktober 2026

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„Erst haben sie hier zugehört. Jetzt redet die Wand.“

Notiz vom BergRedaktion BRÜLL

Teufelsberg · Teufelsseechaussee 10

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14:30 · Zweite Hand

12:00 · Abhörstation – BRÜLL