12:00 ★ TEUFELSBERG · 120 M Ü. NN · S7 GRUNEWALD
Abhörstation
Du steigst in Grunewald aus, läufst eine halbe Stunde bergauf durch Kiefern, und oben steht, was vom Kalten Krieg übrig ist: fünf zerfetzte Kuppeln auf 26 Millionen Kubikmetern Schutt. Kein Museum, kein Café mit Aussicht. Eine Ruine mit Kasse, 12 Euro, und dann bist du allein mit dem Wind.
Oktober, kurz nach elf: Nebel zwischen den Kuppeln, bis der Wind ihn wegschiebt. Video: Mixkit.
Was du wissen musst
Zettel für die Jackentasche
Adresse
Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin (Grunewald)
Offen
Oktober täglich 11–19 Uhr, letzter Einlass 18 Uhr. November und Dezember 11–16:30 Uhr. Stand Oktober 2026, Quelle teufelsberg-berlin.de.
Eintritt
12 € Erwachsene, 10 € ermäßigt, 5 € bis 17 Jahre. Preise bitte vor Ort oder online prüfen.
Anfahrt
S7 bis Grunewald, dann rund 30 Minuten zu Fuß bergauf. Direkt bis zum Tor fährt kein Bus.
Mitbringen: Wasser, feste Schuhe, Jacke. Zu Hause lassen: Drohne, Spraydose.
Geschichte, ohne Agentenfilm
Erst Schutt. Dann Ohren. Jetzt Farbe.
1937 fängt es an, und zwar nicht mit einem Berg. Am Rand des Grunewalds wird die Wehrtechnische Fakultät hochgezogen, ein Klotz für die Rüstungsforschung der Nazis, Teil ihrer Größenwahn-Pläne für die Hauptstadt. Der Rohbau steht, als der Krieg kommt. Fertig wird er nie.
Nach 1945 ist Berlin eine Stadt aus Schutt, und der Schutt muss irgendwohin. Sprengen lässt sich der Betonriese kaum, also kippt man die Trümmer einfach drauf. Von 1950 bis 1972 rollen die Lastwagen: 26 Millionen Kubikmeter zerbombte Stadt, Ziegel, Putz, Küchenfliesen, Türrahmen. Am Ende misst der Haufen 120,1 Meter über dem Meer, nachgemessen 2013 von der TU Berlin. Die höchste Erhebung im alten West-Berlin ist kein Berg. Sie ist ein Friedhof für Häuser.
Dann kommen die Amerikaner mit Antennen. Oben weht der Wind frei, der Blick geht weit nach Osten, und genau das braucht eine Abhöranlage in einer geteilten Stadt. Anfang der Sechziger wird gebaut, die Field Station Berlin wächst zu Türmen, Kuppeln, Kantinen und Kabelschächten. Was hier gehört wurde, steht in keinem Prospekt, und wer es dir erzählt, war nicht dabei. 1991 ist Schluss, die letzten Techniker ziehen ab. Die Geräte gehen mit, die Hüllen bleiben.
Was folgt, ist Berlin in Reinform: Investoren mit Lofts im Kopf, Baustopp, Zäune, Löcher in den Zäunen. Wer reinkam, brachte Dosen mit. Aus dem leeren Gelände wurde, Etage für Etage, eine Galerie ohne Kurator. Inzwischen steht das Ganze unter Denkmalschutz, der Betreiber kassiert Eintritt, nennt es die größte Street-Art-Galerie Europas und bietet Führungen an. Du kannst das Kommerz nennen. Oder du gehst hoch und schaust dir an, wie diese Stadt mit ihren Ruinen umgeht: nicht abreißen. Bemalen.
Wände und Kuppeln
Acht Blicke. Stand Sommer. Morgen anders.








Fotos: Palle Knudsen, Louis Le Pessot, Renzo Vanden Bussche, Gero Camp, Samuel Svec / Unsplash, Duplex. Kuppeln und Wände im Wechsel; Künstler:innen der Murals: unbekannt, die Flächen wechseln.
Drei Zahlen
Meter über NN
Nachmessung TU Berlin, 2013
Mio. m³ Schutt
aufgeschüttet 1950 bis 1972
Euro Eintritt
Erwachsene, Stand Oktober 2026

„Erst haben sie hier zugehört. Jetzt redet die Wand.“
Teufelsberg · Teufelsseechaussee 10
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